Omega-3-Fettsäuren – Gift für Krebstumore

Neben Kohlenhydraten und Proteinen gehören auch Fette zu den Grundnährstoffen, die wir mit unserer Nahrung aufnehmen. Fette erfüllen verschiedene Aufgaben für den menschlichen Organismus, ob als Kälteschutz oder Energiereserve. Sie können pflanzlichen oder tierischen Ursprungs sein. Sie kommen zum Beispiel in Nüssen, Samen, Milchprodukten, Fleisch oder Fisch vor. Bei einer ausgewogenen, gesunden Ernährung kommt es vor allem auf die Zusammensetzung dieser Fette an, da es sogenannte gute Fette und auch schlechte fette gibt. Besonders gesund sind Fette, die reich an ungesättigten, oder essenziellen Fettsäuren sind, da diese dem Körper Bestandteile liefern, die er nicht selbst produzieren kann. Die essenziellen Fettsäuren, wie Omega-3 oder Omega-6-Fettsäuren, die besonders in Fischen, wie Lachs oder Zander vorkommen, werden zum Aufbau unserer Zellen eingesetzt. Alternativ können sie auch durch Raps-, Soja- oder Olivenöl oder Algen gewonnen werden. Sogenannte gute Fette sind für unsere Gesundheit unerlässlich und werden von Menschen, die sich gesund ernähren wollen, sehr geschätzt. Unter den Omega-3-Fettsäuren ist DHA oder Docosahexaensäure beispielsweise entscheidend für die Gehirnfunktion, das Sehvermögen und die Regulierung von Entzündungsprozessen.

Neben diesen Vorteilen wird DHA auch mit einem verminderten Krebsrisiko in Verbindung gebracht. Wie das funktioniert, ist Gegenstand einer wichtigen Forschungsarbeit eines multidisziplinären Teams, bestehend aus Wissenschaftlern der Universität Löwen (UCLouvain), das aktuell den biochemischen Mechanismus aufgeklärt hat, der es DHA und anderen verwandten Fettsäuren ermöglicht, die Entwicklung von Tumoren zu verlangsamen – ein wichtiger Fortschritt in der medizinischen Forschung.

Im Jahr 2016 entdeckte das auf Onkologie spezialisierte Team der UCLouvain von Olivier Feron, dass Zellen in einer sauren Mikroumgebung (Azidose) in Tumoren Glukose durch Lipide als Energiequelle ersetzen, um sich zu vermehren. In Zusammenarbeit mit Cyril Corbet von der UCLouvain wies Prof. Feron 2020 nach, dass diese Zellen die aggressivsten sind und die Fähigkeit erlangen, den ursprünglichen Tumor zu verlassen und Metastasen zu bilden. In der Zwischenzeit schlug Yvan Larondelle, Professor an der Fakultät für Bioingenieurwesen der UCLouvain, dessen Team verbesserte Nahrungsfettquellen entwickelt, vor, diese Kompetenzen in einem Forschungsprojekt zu bündeln, um das Verhalten von Tumorzellen in Gegenwart verschiedener Fettsäuren zu untersuchen. Das Team konnte im Rahmen dieses Projektes schnell feststellen, dass diese azidotischen Tumorzellen je nach der aufgenommenen Fettsäure genau entgegengesetzt reagieren und fand außerdem heraus, dass bestimmte Fettsäuren die Tumorzellen stimulieren, während andere sie abtöten – DHA zum Beispiel vergiftet sie buchstäblich. Das Gift wirkt auf die Tumorzellen über ein Phänomen namens Ferroptose, eine Art Zelltod, der mit der Peroxidation bestimmter Fettsäuren zusammenhängt. Je mehr ungesättigte Fettsäuren in der Zelle vorhanden sind, desto größer ist die Gefahr ihrer Oxidation. Normalerweise speichern die Zellen diese Fettsäuren im sauren Kompartiment, ein abgeteilter Bereich, des Tumors in Lipidtröpfchen, einer Art Bündel, in dem die Fettsäuren vor Oxidation geschützt sind.

Bei Vorhandensein einer großen Menge an DHA ist die Tumorzelle jedoch überfordert und kann die DHA nicht speichern, die dann oxidiert und zum Zelltod führt. Durch den Einsatz eines Lipidstoffwechselhemmers, der die Bildung von Lipidtröpfchen verhindert, konnten die Forscher beobachten, dass dieses Phänomen noch verstärkt wird, was den identifizierten Mechanismus bestätigt und die Tür zu kombinierten Behandlungsmöglichkeiten öffnet. Für ihre Studie verwendeten die Forscher der UCLouvain ein 3D-Tumorzellkultursystem, die sogenannten Sphäroide. In Gegenwart von DHA wachsen die Sphäroide zunächst und implodieren dann. Außerdem verabreichte das Team Mäusen mit Tumoren eine mit DHA angereicherte Ernährung, das Ergebnis war, dass die Tumorentwicklung im Vergleich zu Mäusen, die eine herkömmliche Ernährung erhielten, deutlich verlangsamt wurde. Diese Studie der UCLouvain zeigt den Wert von DHA bei der Krebsbekämpfung. Für einen Erwachsenen wird empfohlen, mindestens 250 mg DHA pro Tag zu sich zu nehmen. Studien zeigen jedoch, dass unsere Ernährung im Durchschnitt nur 50 bis 100 mg pro Tag liefert. Dies liegt weit unter der empfohlenen Mindestzufuhr.

Hier finden Sie die Studie: https://www.sciencedirect.com/…/abs/pii/S1550413121002333


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